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Moin Bitcoin-Freunde,

vor ein paar Tagen haben wir das Thema CRS-Common Reporting Standard näher beleuchtet.

Mythos Offshore-Konto: Ist ein Auslandskonto für Deutsche illegal?

Beim Begriff „Offshore-Konto“ denken viele sofort an Steuerhinterziehung, Briefkastenfirmen, die Cayman Islands oder versteckte Millionen in der Schweiz. Filme, Medienberichte und spektakuläre Fälle wie die Panama Papers haben dieses Bild zusätzlich geprägt.

Dabei wird ein entscheidender Punkt häufig übersehen:

Ein Offshore-Konto beziehungsweise ein Bankkonto im Ausland ist für einen deutschen Staatsbürger grundsätzlich weder illegal noch verboten.

Entscheidend ist nicht, wo dein Geld liegt, sondern ob du deine steuerlichen und gesetzlichen Pflichten erfüllst.

Was bedeutet „Offshore“ eigentlich?

Wörtlich bedeutet das englische offshore zunächst einmal „vor der Küste“ oder „außerhalb des Festlands“.

Im Finanzbereich entwickelte sich daraus eine andere Bedeutung. Vor allem seit den 1960er- und 1970er-Jahren wuchs das internationale Offshore-Banking stark. Ein wichtiger Grund waren strengere Kapitalverkehrs- und Bankregulierungen in den großen Industrieländern. Banken und Investoren verlagerten bestimmte Geschäfte deshalb in andere Jurisdiktionen, in denen beispielsweise geringere regulatorische Anforderungen oder steuerliche Vorteile bestanden. Die OECD nennt genau diese Faktoren als wichtige Ursachen für das historische Wachstum der Offshore-Finanzzentren. OECD

Dabei muss „Offshore“ nicht einmal eine kleine tropische Insel bedeuten. Historisch spielten beispielsweise auch London, Luxemburg, die Schweiz, Hongkong und Singapur wichtige Rollen im internationalen beziehungsweise Offshore-Finanzgeschäft. OECD

Heute wird der Begriff wesentlich weiter verwendet.

Vereinfacht gesagt bezeichnet Offshore-Banking heute häufig eine Bank- oder Finanzbeziehung außerhalb des eigenen Wohnsitz- beziehungsweise Steuerstaates.

Wenn du also in Deutschland steuerlich ansässig bist und ein Bankkonto in Georgien eröffnest, kann man dieses aus deiner deutschen Perspektive umgangssprachlich als Offshore- oder Auslandskonto bezeichnen.

Das bedeutet aber keineswegs automatisch:

❝

Offshore = Steueroase = Steuerhinterziehung.

Diese Gleichung ist falsch.

Auch die OECD weist darauf hin, dass es keine einheitlich akzeptierte Definition eines Offshore Financial Centre gibt. Typische Merkmale klassischer Offshore-Finanzzentren können niedrige Steuern, international ausgerichtete Finanzdienstleistungen, mobile Kapitalströme und teilweise besondere regulatorische Rahmenbedingungen sein.

Darf ein Deutscher überhaupt ein Konto außerhalb Deutschlands besitzen?

Ja.

Allein die Tatsache, dass ein deutscher Staatsbürger ein Konto bei einer ausländischen Bank besitzt, macht dieses Konto nicht illegal.

Dabei sollte man allerdings zwei Dinge auseinanderhalten:

Staatsangehörigkeit und steuerliche Ansässigkeit sind nicht dasselbe.

Für die steuerliche Behandlung ist regelmäßig viel wichtiger, wo eine Person steuerlich ansässig ist, als welche Staatsangehörigkeit in ihrem Reisepass steht.

Nehmen wir zunächst an:

Du bist deutscher Staatsbürger und in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig.

Du könntest beispielsweise – sofern die jeweilige Bank dich als Kunden akzeptiert und die lokalen Voraussetzungen erfüllt sind – Bankverbindungen außerhalb Deutschlands unterhalten, etwa in:

  • Georgien

  • Schweiz

  • Vereinigtes Königreich

  • Singapur

  • Vereinigte Arabische Emirate

  • USA

Georgien ist dabei ein gutes Beispiel, weil es weder Mitglied der EU noch des Europäischen Wirtschaftsraums ist.

Aber:

„Außerhalb der EU“ bedeutet nicht „außerhalb des Gesetzes“.

Die Bank in Georgien unterliegt georgischem Recht und den dortigen regulatorischen Vorgaben. Gleichzeitig bleiben für einen in Deutschland steuerpflichtigen Kontoinhaber seine deutschen steuerlichen Verpflichtungen bestehen.

Hier liegt das eigentliche Missverständnis.

Angenommen, du eröffnest in Georgien ein Konto und überweist 50.000 Euro von deinem deutschen Konto dorthin. Allein durch die Überweisung entsteht grundsätzlich nicht plötzlich deshalb Einkommen, weil das Geld Deutschland verlassen hat.

Deine 50.000 Euro bleiben deine 50.000 Euro.

Interessanter wird es, wenn dieses Geld Erträge erwirtschaftet. Nehmen wir an, die georgische Bank zahlt dir auf dein Guthaben:

3.000 Euro Zinsen pro Jahr.

Wenn du weiterhin in Deutschland steuerlich ansässig bist, kannst du nicht einfach sagen:

❝

„Das Konto befindet sich in Georgien, deshalb gehen die Zinsen Deutschland nichts an.“

Das ist der entscheidende Unterschied zwischen legalem Offshore-Banking und illegaler Steuerhinterziehung.

Ein Auslandskonto kann vollkommen legal sein.

Das bewusste Verschweigen steuerpflichtiger Einkünfte daraus kann dagegen steuerrechtlich erhebliche Konsequenzen haben.

Das Konto ist nicht das Problem – das Verschweigen kann es sein

Man kann sich deshalb einen einfachen Grundsatz merken:

Geld im Ausland zu besitzen ist nicht automatisch Steuerhinterziehung. Steuerpflichtige Einkünfte vor dem Finanzamt zu verbergen kann Steuerhinterziehung sein.

Das ist ein gewaltiger Unterschied. Ein Offshore-Konto kann völlig legitime Gründe haben.

Ein Unternehmer arbeitet international und benötigt verschiedene Währungen. Jemand besitzt eine Immobilie im Ausland. Ein Investor möchte Zugang zu bestimmten Märkten. Eine Person lebt einen Teil des Jahres in einem anderen Land. Jemand möchte sein Vermögen auf mehrere Banken und Jurisdiktionen verteilen. Ein Auswanderer benötigt bereits vor seinem Umzug eine Bankverbindung im zukünftigen Wohnsitzstaat.

An all diesen Dingen ist zunächst nichts Anrüchiges.

Der große Unterschied zu früher: Das „geheime Nummernkonto“ verschwindet

Hier liegt allerdings ein wichtiger Punkt, wenn man heute über Offshore-Banking spricht.

Das klassische Bild lautet:

Deutschland → Geld ins Ausland → ausländische Bank → deutsches Finanzamt erfährt nichts davon.

Dieses Modell ist in dieser pauschalen Form längst überholt.

Ein wesentlicher Grund dafür ist der Common Reporting Standard (CRS).

Mehr als 100 Staaten beteiligen sich am internationalen Austausch von Finanzinformationen. Deutschland nimmt ebenfalls daran teil.

Das Bundeszentralamt für Steuern beschreibt das Verfahren sehr deutlich: Deutschland erhält von CRS-Partnerstaaten Informationen über ausländische meldepflichtige Konten von Personen, die in Deutschland steuerlich ansässig sind. Diese Informationen werden anschließend an die zuständigen Landesfinanzbehörden weitergegeben.

Dabei können unter anderem Informationen über

Kontoguthaben, Zinsen, Dividenden, bestimmte andere Kapitalerträge und Veräußerungserlöse

übermittelt werden.

Bei einer Kontoeröffnung wird deshalb häufig nach der steuerlichen Ansässigkeit und einer Steueridentifikationsnummer gefragt. Das ist kein Zufall, sondern Bestandteil der internationalen KYC-, AML- und Steuertransparenzregeln. Auch das deutsche Finanzkonten-Informationsaustauschgesetz enthält entsprechende Regelungen zu Selbstauskünften und steuerlicher Ansässigkeit.

Damit hat sich die Bedeutung von Offshore-Banking fundamental verändert.

Offshore bedeutet heute nicht automatisch anonym.

Offshore ist nicht gleich Steueroase

Das ist ebenfalls wichtig.

Wenn ein Deutscher ein Konto in Georgien eröffnet, ist dieses Konto aus seiner Perspektive zunächst einmal ein Auslandskonto. Ob man es zusätzlich als „Offshore-Konto“ bezeichnet, hängt von der verwendeten Definition ab.

Ebenso wenig ist jedes Land außerhalb der EU automatisch eine Steueroase. Die Begriffe sollte man deshalb sauber trennen:

Auslandskonto: Konto außerhalb des eigenen Heimat- beziehungsweise Wohnsitzstaates.

Offshore-Konto: kein präziser deutscher Rechtsbegriff; meist ein Konto beziehungsweise eine Finanzbeziehung in einer ausländischen Jurisdiktion, häufig mit internationalem oder nichtresidentem Bezug.

Offshore-Finanzzentrum: Jurisdiktion mit einem besonders großen internationalen Finanzsektor beziehungsweise Finanzdienstleistungen für Nichtansässige.

Steueroase: umgangssprachliche Bezeichnung für eine Jurisdiktion mit besonders niedriger oder fehlender Besteuerung und/oder bestimmten steuerlichen beziehungsweise strukturellen Vorteilen.

Diese Begriffe überschneiden sich teilweise, sind aber nicht identisch.

Warum eröffnen Menschen heute überhaupt Offshore-Konten?

Das moderne Offshore-Banking muss daher nicht primär mit Steuervermeidung zu tun haben. Es kann vielmehr Bestandteil einer internationalen Vermögensstruktur sein.

Ein Anleger könnte beispielsweise Geld auf Banken in unterschiedlichen Ländern verteilen. Dadurch reduziert er seine Abhängigkeit von einer einzelnen Bank, einem einzigen Bankensystem oder einer einzigen Währung.

Denkbar wäre beispielsweise eine Struktur aus:

Deutschland → Euro-Liquidität

Georgien → GEL/USD/EUR-Konto

Schweiz → internationale Vermögensverwaltung

USA → USD-Banking bzw. Brokerage

Singapur → asiatische Finanzmärkte

Ob eine solche Struktur sinnvoll ist, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Gebühren, Einlagensicherung, Quellensteuern, Doppelbesteuerungsabkommen, Bankrisiken, Wechselkurse, Meldepflichten und steuerliche Folgen müssen jeweils einzeln betrachtet werden.

Aber die internationale Diversifikation selbst macht die Struktur nicht illegal.

Der eigentliche Mythos

Der Begriff „Offshore-Konto“ hat bis heute einen zweifelhaften Ruf, weil jahrzehntelang zwei vollkommen unterschiedliche Dinge miteinander vermischt wurden:

Vermögen im Ausland besitzen

und

Vermögen illegal vor den Steuerbehörden verstecken.

Das Erste kann vollkommen legal sein.

Das Zweite kann strafbar sein.

Deshalb ist die entscheidende Frage nicht:

❝

„Darf ich als Deutscher Geld außerhalb Deutschlands besitzen?“

Sondern:

❝

„Welche steuerlichen, aufsichtsrechtlichen und Meldepflichten entstehen dadurch für mich?“

Und genau an dieser Stelle wird Offshore-Banking interessant.

Denn ein Bankkonto in Georgien, der Schweiz, Singapur oder einem anderen Staat kann heute durchaus Bestandteil einer vollkommen legalen internationalen Vermögensstrategie sein.

Offshore bedeutet nicht gesetzlos. Offshore bedeutet zunächst einmal: außerhalb der eigenen Jurisdiktion.

Die Grenze zwischen legaler internationaler Vermögensplanung und illegaler Verschleierung verläuft nicht an der deutschen Landesgrenze – sondern bei Transparenz, korrekter steuerlicher Behandlung und der Einhaltung der jeweils geltenden Gesetze.

Hinweis: Das ist eine allgemeine Einordnung und keine individuelle Steuer- oder Rechtsberatung. Gerade bei größeren Beträgen, Wertpapierdepots, Gesellschaften, Trusts/Stiftungen oder einem Wechsel der steuerlichen Ansässigkeit können zusätzliche deutsche Anzeige- und Erklärungspflichten relevant werden.

Weshalb wir z.B. Auslands- (Offshore-) Konten haben, erzählen wir dir im nächsten Artikel am kommenden Freitag.

Sonnige Grüße

Alex & Marc

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