Diese Website verwendet Cookies

Lesen Sie unsere Datenschutzrichtlinie und Nutzungsbedingungen für weitere Informationen.

Moin Bitcoin-Freunde,

in den letzten Tagen und Wochen hatte ich immer wieder mal das Thema Auslandskonten. Aber was bringt dir ein Auslandskonto, wenn du im CRS hängst? Heute werden wir erst einmal klären, was der Common Reporting Standard überhaupt ist. Und: gibt es einen Ausweg? Darauf gehe ich ganz kurz zum Schluss ein. Denn dies ist ein weiteres gesondertes Thema für sich.

Der Common Reporting Standard (CRS) ist für jeden wichtig, der Konten, Depots oder bestimmte andere Finanzanlagen außerhalb seines steuerlichen Ansässigkeitsstaates besitzt. Dabei ist zunächst ein Missverständnis wichtig:

Ein Auslandskonto oder „Offshore-Konto“ ist grundsätzlich nicht illegal. Der CRS sorgt lediglich dafür, dass solche Konten für die Steuerbehörden wesentlich transparenter geworden sind.

Was ist CRS?

CRS steht für Common Reporting Standard. Das System wurde von der OECD entwickelt und wird von mehr als 100 Staaten und Gebieten angewendet. Ziel ist der automatische Austausch von Informationen über Finanzkonten, die Personen außerhalb ihres steuerlichen Ansässigkeitsstaates unterhalten.

Vereinfacht gesagt funktioniert CRS nach dem Prinzip:

❝

„Wenn du in Land A steuerlich ansässig bist und ein Konto in Land B besitzt, kann Land B bestimmte Informationen über dieses Konto automatisch an die Steuerbehörde von Land A übermitteln.“

Der entscheidende Begriff ist deshalb nicht Staatsangehörigkeit, sondern steuerliche Ansässigkeit.

1. Ein einfaches Beispiel

Nehmen wir einen deutschen Staatsbürger namens Thomas.

Thomas lebt in Deutschland und ist dort steuerlich ansässig. Er eröffnet ein Bankkonto beispielsweise in einem anderen CRS-Teilnehmerstaat. Bei der Kontoeröffnung fragt ihn die ausländische Bank typischerweise:

Wo sind Sie steuerlich ansässig?

Thomas gibt an:

❝

Deutschland
Steueridentifikationsnummer: 12 345 678 901

Damit weiß die Bank:

Dieser Kunde ist bei uns ein ausländischer Steuerresident.

Je nach CRS-Regeln wird das Konto dadurch meldepflichtig. Der Informationsweg sieht vereinfacht so aus:

Thomas
↓
Bank im Ausland
↓
Steuerbehörde des ausländischen Staates
↓
CRS-Datenaustausch
↓
Bundeszentralamt für Steuern (Deutschland)
↓
zuständige deutsche Finanzverwaltung

Das Bundeszentralamt für Steuern bestätigt ausdrücklich, dass Deutschland von CRS-Partnerstaaten Informationen über ausländische meldepflichtige Konten erhält, deren Inhaber in Deutschland ansässig sind. Diese Informationen werden anschließend den zuständigen Landesfinanzbehörden für das Besteuerungsverfahren zur Verfügung gestellt.

2. Was wird überhaupt gemeldet?

Hier wird CRS häufig unterschätzt. Es wird nicht lediglich gemeldet, dass ein Konto existiert.

Zu den personenbezogenen Informationen können beispielsweise gehören:

  • Name

  • Anschrift

  • steuerlicher Ansässigkeitsstaat

  • Steueridentifikationsnummer (TIN)

  • Geburtsdatum

  • teilweise Geburtsort

  • Kontonummer bzw. entsprechendes Identifikationsmerkmal

Hinzu kommen Finanzinformationen.

Dazu gehören insbesondere der Kontostand bzw. Kontowert am Ende des Meldezeitraums sowie – abhängig von der Kontoart – beispielsweise Zinsen, Dividenden, sonstige Erträge und Bruttoerlöse aus Verkäufen oder Rücknahmen von Finanzvermögen.

Das ist ein wichtiger Unterschied. Wenn beispielsweise dein Depot im Ausland Aktien im Wert von 500.000 € enthält, bedeutet CRS nicht lediglich:

❝

„Herr X besitzt ein Konto.“

Die Meldung kann vielmehr Informationen über den Wert des Kontos sowie bestimmte Erträge und Transaktionen enthalten.

3. Die Bank entscheidet nicht, wo du Steuern zahlen musst

Das ist einer der wichtigsten Punkte überhaupt. CRS ist zunächst einmal ein Informationssystem.

Die ausländische Bank entscheidet grundsätzlich nicht darüber, ob du in Deutschland 5.000 €, 20.000 € oder überhaupt Steuern bezahlen musst.

Sie ermittelt vielmehr anhand der CRS-Sorgfaltspflichten insbesondere:

❝

Wo ist dieser Kunde steuerlich ansässig?

Dafür wird bei der Kontoeröffnung regelmäßig eine sogenannte Self-Certification / Selbstauskunft zur steuerlichen Ansässigkeit verlangt. Auch das BZSt beschreibt diese Selbstauskunft als Bestandteil der CRS-Sorgfaltspflichten.

Darin können beispielsweise Angaben verlangt werden wie:

Country of Tax Residence: Germany
TIN: deutsche Steuer-ID

Anschließend meldet das Finanzinstitut die entsprechenden CRS-Daten. Ob daraus tatsächlich eine Steuer entsteht, richtet sich dagegen nach dem jeweiligen Steuerrecht.

4. Warum die steuerliche Ansässigkeit so entscheidend ist

Das ist wahrscheinlich der wichtigste Punkt für jemanden mit internationalen Konten.

CRS orientiert sich grundsätzlich an der steuerlichen Ansässigkeit, nicht einfach am Reisepass.

Nehmen wir drei Personen:

Person A

Deutscher Staatsbürger
Wohnsitz und steuerliche Ansässigkeit: Deutschland
Konto: Schweiz

→ Die Schweiz kann CRS-Daten nach Deutschland melden.

Person B

Deutscher Staatsbürger
steuerliche Ansässigkeit: Georgien
Konto: Schweiz

→ Dann kann – sofern die jeweiligen Voraussetzungen und Austauschbeziehungen bestehen – die Meldung nach Georgien statt nach Deutschland erfolgen.

Person C

Deutscher Staatsbürger
steuerlich ansässig in Deutschland und möglicherweise zusätzlich in einem anderen Staat

→ Dann muss die Situation genauer geprüft werden. Mehrfache steuerliche Ansässigkeiten sind möglich; Doppelbesteuerungsabkommen und die jeweiligen nationalen Regeln können dabei entscheidend sein.

Genau deshalb ist die Frage

❝

„Welchen Pass besitzt du?“

für CRS häufig weniger wichtig als:

❝

„In welchem Staat oder welchen Staaten bist du steuerlich ansässig?“

5. Warum fragt eine ausländische Bank nach deiner Steuer-ID?

Genau deswegen.

Banken führen eine sogenannte Due Diligence durch. Bei einer Kontoeröffnung wirst du deshalb häufig nach Folgendem gefragt:

Tax residence / Tax residency

und anschließend:

TIN – Tax Identification Number

Bei einem in Deutschland steuerlich ansässigen Kunden ist das regelmäßig die deutsche Steueridentifikationsnummer.

Die OECD-Regeln sehen ausdrücklich die Meldung von Ansässigkeitsstaat und TIN vor. Das ermöglicht es den Steuerbehörden, die Meldung relativ zuverlässig einer konkreten Person zuzuordnen.

6. Was passiert bei einem Umzug ins Ausland?

Hier wird es besonders interessant. Angenommen, du bist zunächst in Deutschland steuerlich ansässig und besitzt ein Auslandskonto.

Die Bank hat gespeichert:

❝

Tax Residence: Germany

Nun ziehst du später dauerhaft in einen anderen Staat und wirst dort steuerlich ansässig. Dann solltest du nicht einfach davon ausgehen, dass die Bank das automatisch weiß.

Normalerweise musst du deine Daten aktualisieren und gegebenenfalls eine neue CRS-Selbstauskunft abgeben.

Beispielsweise:

vorher

Tax Residence: Germany
TIN: deutsche Steuer-ID

nachher

Tax Residence: neuer Ansässigkeitsstaat
TIN: dortige Steueridentifikationsnummer

Wichtig dabei:

Eine neue Anschrift ist nicht automatisch dasselbe wie eine neue steuerliche Ansässigkeit.

Nur weil jemand einer Bank eine Adresse in Dubai, Tiflis oder Panama nennt, bedeutet das steuerrechtlich noch lange nicht, dass er dort tatsächlich steuerlich ansässig ist.

7. CRS ist kein „Kontenregister für die ganze Welt“

Auch das wird häufig falsch verstanden.

Es existiert nicht einfach eine riesige OECD-Datenbank, in der ein deutscher Finanzbeamter deinen Namen eingibt und anschließend sämtliche Konten weltweit sieht.

Vielmehr erfolgt ein strukturierter Austausch:

Finanzinstitut → nationale Steuerbehörde → ausländische Steuerbehörde

Und dieser Austausch erfolgt grundsätzlich automatisch und regelmäßig, typischerweise jährlich. Deutschland beispielsweise erhält entsprechende Datensätze von seinen CRS-Partnerstaaten und übermittelt umgekehrt Informationen ins Ausland.

8. CRS bedeutet nicht automatisch Steuerpflicht

Ein weiterer wichtiger Unterschied:

Meldepflicht ≠ Steuerpflicht.

Beispiel:

Du besitzt legal 100.000 € auf einem ausländischen Bankkonto. Das Konto wird über CRS nach Deutschland gemeldet.

Das bedeutet nicht:

❝

„Du musst auf die 100.000 € Steuern bezahlen.“

Das Kapital selbst kann beispielsweise aus bereits versteuertem Einkommen stammen.

Erhältst du darauf jedoch beispielsweise 4.000 € Zinsen, können diese Erträge in deinem steuerlichen Ansässigkeitsstaat steuerlich relevant sein.

CRS liefert der Finanzverwaltung also Informationen, anhand derer sie überprüfen kann, ob die steuerlichen Angaben des Steuerpflichtigen plausibel bzw. vollständig sind.

9. Besonders wichtig: Firmen, LLCs, Trusts usw.

CRS beschränkt sich nicht einfach auf private Girokonten. Unter bestimmten Voraussetzungen werden auch Unternehmen und deren wirtschaftlich Berechtigte bzw. „Controlling Persons“ relevant.

Ein vereinfachtes Beispiel:

Du gründest eine ausländische Gesellschaft. Die Gesellschaft besitzt ein Bankkonto.

Nun könnte man denken:

❝

„Das Konto gehört der Firma und nicht mir. Also hat CRS mit mir nichts zu tun.“

So einfach funktioniert es nicht.

CRS unterscheidet unter anderem zwischen verschiedenen Arten von Rechtsträgern. Besonders wichtig ist dabei die Einordnung als aktive oder passive NFE – Non-Financial Entity.

Bei bestimmten passiven Rechtsträgern müssen Finanzinstitute die dahinterstehenden Controlling Persons identifizieren.

Die OECD-Regeln sehen ausdrücklich vor, dass bei bestimmten Rechtsträgern neben Informationen zum Unternehmen auch Informationen zu meldepflichtigen Controlling Persons übermittelt werden.

Deshalb ist beispielsweise die Aussage

❝

„Ich gründe einfach eine Offshore-Firma und eröffne das Konto auf die Firma.“

kein zuverlässiger Weg, um CRS zu umgehen.

10. Und was ist mit den USA?

Hier gibt es eine Besonderheit.

CRS und das amerikanische FATCA-System sind nicht dasselbe.

Die USA haben mit FATCA ein eigenes internationales Meldesystem aufgebaut. Deutschland hat mit den Vereinigten Staaten hierfür ein FATCA-Abkommen geschlossen. Deshalb sollte man bei US-Konten oder insbesondere Konstruktionen wie

US LLC + US-Bankkonto + ausländischer Eigentümer

nicht einfach die normalen CRS-Regeln eines europäischen Bankkontos übertragen.

Hier muss man getrennt betrachten:

CRS, FATCA, wirtschaftlich Berechtigte, steuerliche Behandlung der LLC, US-Meldepflichten und Meldepflichten im Ansässigkeitsstaat des Eigentümers.

Das wäre bei einer Offshore-Struktur eine eigene Analyse wert.

11. Worauf du bei Auslandskonten besonders achten solltest

Wenn du Auslandskonten besitzt, würde ich mir vor allem diese Fragen stellen:

  1. Wo bin ich tatsächlich steuerlich ansässig?

  2. Welche steuerliche Ansässigkeit hat die Bank für mich gespeichert?

  3. Welche TIN habe ich der Bank angegeben?

  4. Ist das betreffende Land CRS-Teilnehmer und besteht eine Austauschbeziehung mit meinem Ansässigkeitsstaat?

  5. Welche Konten, Depots oder Versicherungsprodukte sind betroffen?

  6. Welche Kapitalerträge entstehen dort?

  7. Habe ich diese Erträge in meinem steuerlichen Ansässigkeitsstaat korrekt erklärt?

  8. Hat sich meine steuerliche Ansässigkeit geändert und habe ich die Bank darüber informiert?

  9. Gehört das Konto einer Gesellschaft: Wie ist diese Gesellschaft unter CRS klassifiziert?

  10. Gelte ich gegebenenfalls als Controlling Person?

Der wichtigste Grundsatz ist dabei:

Versuche nicht, CRS isoliert zu betrachten.

Entscheidend ist das Zusammenspiel aus

steuerlicher Ansässigkeit + Kontoinhaber + Bankland + Art des Finanzinstituts + Art des Kontos + Art des Rechtsträgers + CRS-Austauschbeziehungen.

Ein praktisches Beispiel

Nehmen wir an:

Du bist deutscher Staatsbürger und aktuell in Deutschland steuerlich ansässig.

Du besitzt:

Deutschland

  • Girokonto

  • Depot

Schweiz

  • Bankkonto

  • Wertpapierdepot

Georgien

  • Bankkonto

USA

  • US LLC

  • Geschäftskonto der LLC

  • Brokerage Account der LLC

Jetzt wäre es falsch zu sagen:

❝

„Alles Ausland = CRS → alles wird automatisch nach Deutschland gemeldet.“

Stattdessen müsste man jedes Konto und jede Struktur einzeln analysieren.

Beim Schweizer Konto wäre beispielsweise zu untersuchen, welche CRS-Meldung erfolgt.

Bei Georgien müsste die konkrete CRS-Teilnahme und Austauschbeziehung für das betreffende Meldejahr geprüft werden.

Bei der US LLC wiederum müssen CRS und FATCA sowie die steuerliche und rechtliche Einordnung der LLC separat betrachtet werden.

Und genau hier wird internationale Steuerplanung interessant: Nicht die Frage „Wo ist mein Konto?“ ist die wichtigste, sondern „Wo bin ich steuerlich ansässig, wem wird das Konto zugerechnet und welche Melde- und Steuerregeln greifen?“

Eine wichtige Entwicklung ab 2026

CRS entwickelt sich außerdem weiter. Die OECD hat den Standard überarbeitet. Der konsolidierte CRS 2025 erweitert den Anwendungsbereich unter anderem auf bestimmte elektronische Geldprodukte und digitale Zentralbankwährungen und erfasst indirekte Investments in Kryptoassets stärker. Gleichzeitig wurden Sorgfalts- und Meldepflichten erweitert.

Das Thema Kryptowährungen bekommt zusätzlich durch den Crypto-Asset Reporting Framework (CARF) eine eigene Dimension. Deshalb sollte man heute bei „Offshore“ nicht mehr ausschließlich an klassische Bankkonten denken.

Der wichtigste Merksatz

Man kann CRS sehr einfach zusammenfassen:

❝

Ein Auslandskonto ist grundsätzlich nichts Verbotenes. CRS soll aber dafür sorgen, dass ein Auslandskonto steuerlich nicht automatisch unsichtbar ist.

Wer seine Auslandskonten und daraus resultierenden steuerpflichtigen Einkünfte ordnungsgemäß behandelt, muss CRS deshalb grundsätzlich nicht als „Bedrohung“ betrachten. Problematisch wird es insbesondere dann, wenn die bei Banken hinterlegte steuerliche Ansässigkeit nicht der tatsächlichen Situation entspricht oder ausländische Einkünfte nicht korrekt erklärt werden.

Gibt es einen Ausweg?

Um es klar zu sagen: JA. Es gibt Möglichkeiten sich dem CRS zu entziehen. Dafür benötigst die richtigen Informationen und die richtigen Dienstleister, die dir dabei helfen können. Dazu mehr Infos in den kommenden Artikeln.

Alex & Marc

Reply

Avatar

oder teilnehmen